Akademie Überlingen in Wernigerode

85 schwerbehinderte Menschen fanden über das Projekt "Haus der Inklusion" einen Job

Erfolgreiches Projekt als Brücke zwischen Unternehmen und schwerbehinderten Menschen endet nach dreijähriger Förderung im Landkreis Harz. Schwerer Weg der Inklusion kann künftig nur gelingen, wenn Betriebe sich für diesen Personenkreis öffnen und alle Arbeitsmarktpartner im Sinne der betroffenen Menschen weiterhin eng zusammenarbeiten.

Den Inklusionsgedanken stärker bei den Harzer Unternehmen zu verankern, gemeinsam mit schwerbehinderten Menschen vorhandene Hürden auf dem Weg in einen Job zu überwinden und damit zur Fachkräftesicherung in der Region beizutragen, das waren die Ziele des dreijährigen Projektes "Haus der Inklusion". Getragen wurde dieses Projekt von der Agentur für Arbeit Halberstadt, der Kommunalen Beschäftigungsagentur Landkreis Harz und der Akademie Überlingen Wernigerode. Finanziert wurde es aus Mitteln der Ausgleichsabgabe, die Unternehmen leisten müssen, sofern sie ihre Pflichtarbeitsplätze nicht mit schwerbehinderten Arbeitnehmern besetzt haben. Allein im Landkreis Harz müssen Unternehmen mit mehr als 20 Beschäftigten derzeit für über 560 unbesetzte Pflichtarbeitsplätze diese Abgabe zahlen, da sie die gesetzliche Quote von fünf Prozent nicht erfüllen.

„Egal ob angeboren, nach einem Unfall oder nach schwerer Krankheit. Schwerbehindert zu sein kann jeden von uns treffen. Allein wegen einer Behinderung darf niemand benachteiligt werden. Aus unseren Erfahrungen wissen wir aber, dass viele von uns Menschen mit einem Handicap, ob nun bewusst oder unbewusst, oftmals anders sehen und schnell in eine Schublade stecken. Deshalb war ich froh, als sich uns mit der vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) aufgelegten Förderrichtlinie die Möglichkeit für das Projekt ‚Haus der Inklusion‘ mit einer individuellen Betreuung bei der Integration in den Arbeitsmarkt bot“, so die Chefin der Halberstädter Arbeitsagentur Heike Schittko bei ihrer Dankesrede für die gute Projektarbeit.

 

Das bislang vielfach ungenutzte Potenzial von motivierten, aber oftmals chancenlosen Arbeit suchenden Menschen konnte mit Hilfe intensiver Betreuung und Begleitung durch Coaches sowie der engen Zusammenarbeit der Mitarbeiter vom "Haus der Inklusion" mit der Arbeitsagentur, der KoBa, dem Integrationsdienst und anderen Kostenträgern gefördert werden. Dabei wurden die Suche nach passenden Beschäftigungsmöglichkeiten und die dauerhafte Integration in Arbeit maßgeblich unterstützt.
„Nicht wenige unserer Teilnehmer hatten die Hoffnung auf einen Job bereits aufgegeben, als sie zu uns kamen. Wir haben den Betroffenen nicht gesagt, was sie machen sollen, sondern gemeinsam mit ihnen Ziele umgesetzt, die sie erreichen wollten. Dabei haben wir sie intensiv begleitet und nach Lösungsansätzen gesucht. Hilfreich  war unser sehr guter und enger Kontakt zu den Vermittlern bei der Arbeitsagentur und KoBa, die uns bei Förderanfragen von Unternehmen hervorragend unterstützt haben“, so Anja Sauer, eine der sechs Berater bzw. Coaches vom "Haus der Inklusion".

Seit dem Projektstart im Februar 2015 bis zum Projektende im Januar 2018 konnten sie und ihre Kollegen insgesamt 155 Menschen mit einem Handicap intensiv betreuen und diesen neue berufliche Perspektiven eröffnen. Für 85 Teilnehmer mündete die Maßnahme sogar in eine Beschäftigung bei einem Unternehmen, zehn mehr, als zum Projektstart geplant.

Einer von ihnen ist der 55-jährige Blankenburger Reiner Sechting, der bei  Familie Krebs im Waldgasthaus „Armeleuteberg“ in Wernigerode eine unbefristete Anstellung fand. „Ich hätte das nie für möglich gehalten und bin froh, die Chance bekommen zu haben.“ Auch Inhaberin Chris Krebs ist froh, über das Projekt einen engagierten Arbeitnehmer für Hausmeistertätigkeiten gefunden zu haben: „Herr Sechting hat sich sehr gut bei uns im Team eingearbeitet. Er ist sehr fleißig und zuverlässig. Von seinem Handicap merken wir fast gar nichts. Vielmehr muss ich ihn oft bremsen, damit er sich körperlich nicht übernimmt“.

 

Bei der Vorstellung der erreichten Ziele zum Ende der Projektförderung sind alle Partner stolz auf das Erreichte, auch wenn das selbst gesteckte Ziel der Betriebskontakte am Ende nicht ganz erreicht werden konnte. Dennoch informierten die Coaches über 340 Harzer Unternehmen über die Beschäftigungsmöglichkeiten für Menschen mit Handicap und finanzielle Unterstützungsangebote. Für Niederlassungsleiterin Katja Feldmer von der Akademie Überlingen ist es jedoch noch ein langer und schwieriger Weg, Vorurteile beim Thema Inklusion abzubauen und die Einbeziehung von Menschen mit Handicap bei der Fachkräftesuche in die Köpfe der Unternehmen zu bekommen.  „Inklusion lohnt sich für alle, da es unsere Gesellschaft reicher macht. Schritt für Schritt mit engagierten Menschen und dem Mut, auch neue Wege zu gehen, kann uns dies gelingen, denn schließlich wird in Zeiten vom Fachkräftemangel jeder gebraucht“, ist Feldmer optimistisch, auch wenn die Förderrichtlinie des BMAS leider nicht verlängert wurde.

 

Im Rahmen der Abschlussveranstaltung zeichnete das "Haus der Inklusion" den Gemeinnützigen Verein für Sozialeinrichtungen (GVS) Blankenburg e.V. für sein Engagement bei der Beschäftigung von Menschen mit Handicap als „Unternehmen inklusiv 2017“ aus. Der Preis wurde Geschäftsführer Carsten Jacknau und seinem Mitarbeiter Sven Herschelmann, der über das "Haus der Inklusion" in das Unternehmen vermittelt werden konnte durch Anja Sauer überreicht.

 

 

www.arbeitsagentur.de/halberstadt

https://www.akademie-ueberlingen.de/N147/
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